Impulsreferat MLPD

Impulsreferat MLPD

Gabi Fechtner: Die Befreiung der Frau im Sozialismus auf der Grundlage der proletarischen Denkweise und wie wir dafür mit dem Antikommunismus fertig werden müssen

Impulsreferat von Gabi Fechtner (MLPD) zum theoretischen Seminar der Weltfrauen in Nepal

Von Gabi Fechtner

1. Können wir den Imperialismus frauenfreundlich reformieren?

Wir haben gestern gehört, welche Destruktivkräfte der Imperialismus hervorbringt: Wenn ein neuer Weltkrieg vorbereitet wird, die modernen Faschisten die Frauen wieder an den Herd verbannen wollen, Prostitution eines der florierendsten Geschäftsmodelle imperialistischer Staaten ist. Oder überwunden geglaubte fundamentalistisch-religiöse, feudale und damit patriarchale Traditionen erleben sogar eine Renaissance wie Kinderhochzeiten in Nepal, Steinigungen von Frauen wie im Iran oder Afghanistan. All diese Dekadenz entwickelte sich in den letzten Jahren unter der Heuchelei des Betrugssystems der kleinbürgerlichen Denkweise über gesellschaftlichen Fortschritt, von hoch gesetzten Milleniumszielen gegen Hunger und Flucht. Nein, der Imperialismus ist ein sterbendes System! Die Diktatur des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals hat eine Existenzkrise der Menschheit herauf beschworen. Neue imperialistische Länder sind entstanden. Ihr Konkurrenzkampf hat durch die Krise der Neuorganisation der internationalen Produktion eine solche Schärfe erreicht, dass er nur noch mit einer Vernichtungsschlacht, mit Krieg und Faschismus ausgetragen werden kann. Wir sehen das an den Bedrohungen auch in Nepal, das verschiedene Imperialisten wie USA, Indien oder China am liebsten unter sich aufteilen würden und dafür gar den König wieder haben wollen. Lassen wir uns nicht von der Dekadenz dieses Systems in den Abgrund reißen, verharren wir aber auch nicht in der Hoffnung auf die Rückkehr in „gute alte Zeiten“. Gehen wir nach vorne!



2. Aber was soll die Alternative sein? Ist der Sozialismus nicht gescheitert?

Er ist nicht gescheitert! Der Sozialismus wurde aber in der Sowjetunion seit 1956 verraten, in China ab 1976 nach dem Tod Mao Tsedongs. Der Sozialismus braucht ein neues Ansehen. Jede Frau sollte die Errungenschaften in ehemals sozialistischen Ländern kennen. Aber einen neuen Aufschwung im Kampf um den Sozialismus wird es nur geben, wenn wir sowohl die verbreiteten Zerrbilder des Antikommunismus korrigieren, aber auch alle Bedenken der Massen ernst nehmen; ihre Fragen, warum es heute kein sozialistisches Land mehr gibt und deutlich machen, welche Schlüsse wir gezogen haben, was echter Sozialismus heißt!

Die Denkweise spielt eine entscheidende Rolle, wie der Sozialismus aufgebaut wird – ob er sich festigt oder wieder verraten werden kann. Eine Grundlage für den Verrat am Sozialismus in der SU war die Geringschätzung des Kampfes um die Denkweise in Verbindung mit Fehlern in der Gesetzgebung von 1936 bis 1944. Der zentrale Exekutivausschuss des Rates der Volkskommissare der UdSSR beschloss, die sowjetische Familie und darin die Rolle der Frauen zu „stärken“, als „Mutter und Bürgerin, der die große und verantwortungsvolle Verpflichtung der Geburt und Aufzucht von Bürgern obliegt“. Abtreibungen wurden wieder verboten. Damit wurde der Kampf um die Befreiung der Frau in der Sowjetunion eingestellt. Die Massen waren ideologisch nicht ausreichend gewappnet, um mit den Überresten der bürgerlichen Ideologie und kleinbürgerlichen Denkweise fertig zu werden. So entstand eine neue Bürokratie mit dem Parteibuch in der Tasche, eine kleinbürgerliche Schicht mit kleinbürgerlichen Lebensverhältnissen, die sich zunehmend persönliche Vorteile verschaffte. Begünstigungen für die eigene Familie waren eine materielle Grundlage für ein Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise. Das unterstreicht die Bedeutung dieses theoretischen Seminars. Denn wir Frauen haben eine große Verantwortung auch ideologisch und politisch auf höchstem Niveau zu arbeiten! Hier seht ihr ein Bild einer Kampagne, wie Frauen im sozialistischen China unter Mao Tsetung die dialektische Methode erlernen.

Der Sozialismus und die Befreiung der Frau können nur auf Grundlage der proletarischen Denkweise erreicht werden, wo eine demokratische und proletarische Streitkultur herrscht, die eine offene sachliche Kritik und Selbstkritik fördert – statt Kritiker zu unterdrücken oder gar zu verfolgen. Das schließt natürlich konsequentes Vorgehen gegen die bisherigen Unterdrücker, Faschisten, Kriegstreiber, Frauenfeinde und Ausbeuter ein. Ohne marxistisch-leninistische Parteien, die führende Rolle der Arbeiterklasse und überparteiliche Selbstorganisationen der Massen wird der sozialistische Aufbau nicht gelingen. Letztere „spielen eine besondere Rolle in der Kontrolle der Bürokratie und der Verwirklichung der Interessen der Massen.“1 Die MLPD hat auch deshalb keine eigene Frauenorganisation, sondern fördert heute schon heute überparteiliche Selbstorganisationen der Masse der Frauen. Während der moderne Antikommunismus sagt, dass der Sozialismus vielleicht eine gute Idee war, die aber eine Utopie bleibe, meinen wir es ernst: Lernen aus allen Errungenschaften und Fehlern mit dem Ziel der vereinigten sozialistischen Staaten der Welt!



3. Aber haben nicht auch vermeintlich Regierungen des „Sozialismus des 21 Jahrhunderts“ nicht mehr erreicht als die formale Gleichstellung der Frau?

Wir kennen bittere Erfahrungen, wenn in Ländern mit dem Anspruch, den Sozialismus auf parlamentarischem Weg zu erreichen, darauf verzichtet wird, die Macht- und Eigentumsverhältnisse revolutionär umzuwälzen. Dann stehen Rechte der Frauen auf dem Papier, aber die kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten wirken weiter. Materielle Grundlage für die Befreiung der Frau ist deshalb im Sozialismus die radikale Umwälzung der ökonomischen Grundlagen durch die Enteignung der Monopole, Abschaffung des Profitgesetzes und Zerschlagung des bürgerlichen Staates, mitsamt der Überwindung der bürgerlichen Staats- und Familienordnung. Erst diese fundamentale Revolutionierung der Gesellschaft ermöglicht sie auszurichten auf die Befreiung der Frau. Bis heute erstaunlich, was in sozialistischen Ländern wie in Russland unter diesen Bedingungen nach der Oktoberrevolution bereits weitergehender erkämpft als jemals in kapitalistischen Ländern: öffentliche Kantinen für alle und Großwäschereien, ein einfaches Scheidungsrecht, Abschaffung des Verbots von Abtreibung, wirkliche Gleichberechtigung der Frau z.B. gleiche Eigentumsrechte, gleiches Sorgerecht für die Kinder bei Trennung, Verbot von Prostitution.



4. Ist das durch eine Frauenrevolution möglich?

Eine umfassende Umwälzung der Macht- und Eigentumsverhältnisse ist nur unter Führung des internationalen Industrieproletariats in Wechselwirkung zum Kampf der breiten Massen, mit den Frauen als aktive Kraft der Revolution möglich. Das können die Frauen nicht alleine erreichen. Die Arbeiterklasse steht im internationalisierten industriellen Produktionsprozess direkt dem Kapital gegenüber, sind in Riesenbetrieben eine organisierte Macht. Durch die umfassende Einbeziehung der Frauen in die Produktion ist ein immer größerer Teil der Arbeiterklasse weiblich; sie sind das proletarische Rückgrat der Frauenbewegung. Denken wir an die Textilarbeiterinnen in Bangladesh, die Autoarbeiterinnen die hier sind aus Südafrika oder Deutschland, die Arbeiterinnen im riesigen Gesundheitssektor wie in Indien. Zugleich muss der Kampf um die Befreiung der Frau Aufgabe der ganzen Gesellschaft sein, auch die Männer dafür gewonnen werden und darf nicht als Aufgabe einer Frauenrevolution, als Aufgabe nur der Frauen separiert werden. Die Befreiung der Frau ist eine vorrangige gesellschaftliche Aufgabe des Sozialismus. Sie bedeutet, dass alle Fesseln der jahrtausendelangen Unterdrückung der Frau in den gesellschaftlichen Strukturen oder den patriarchalischen Traditionen gesprengt werden und jegliche Unterdrückung und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts überwunden wird.“2 Die Umsetzung erfordert, dass der Kampf um die Denkweise ausgetragen wird zur Überwindung bürgerlicher und kleinbürgerlicher Moralvorstellungen, rückschrittlicher Traditionen und Prägungen. Das bedeutet eine große Selbstveränderung von Männern und Frauen, teils regelrechte Umerziehung. Mao Zedong zog aus der Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion den Schluss, massenhaft den Kampf um die Denkweise zu führen und mobilisierte zur Kulturrevolution. Es wurde voll auf die Überzeugungsarbeit unter den Massen gesetzt. Die Schwedin Gun Kessle berichtet im Buch „Frauenleben in einem chinesischen Dorf“, dass die organisierten Frauen immer wieder mit einem Mann diskutierten um die Familienplanung. Er wollte unbedingt weitere Kinder ohne Rücksicht auf die Gesundheit seiner Frau. Nach der alten Tradition ist ein Mann mit vielen Kindern, besonders Söhnen, sehr geachtet. Das wurde geduldig geklärt und der Mann überzeugt.



5. Also ist doch das Patriarchat das Problem?

Bei diesem Beispiel geht es um die Wirkung patriarchaler Überreste auf die Denkweise und dass die Massen damit fertig werden können. Das Patriarchat war die Familienordnung des Feudalismus. Der Imperialismus hat heute die besondere Unterdrückung der Frauen mit seiner Staats- und Familienordnung geschickter institutionalisiert. Sie ist neben der Ausbeutung der Lohnarbeit eine fundamentale Säule der kapitalistischen Klassengesellschaft. Die Frau ist die Hauptverantwortliche für das Familienleben und für die Organisierung des Alltags. Und weil die Arbeiterinnen dadurch nicht ihre volle Arbeitskraft im Betrieb zur Verfügung stellen können, wird sie durchschnittlich schlechter bezahlt. So beutet der Kapitalist sie doppelt aus gegenüber den männlichen Kollegen. Er ist auch die Grundlage, dass die besondere Unterdrückung mit Sexismus, Prostitution, Frauenfeindlichkeit usw. verbreitet werden. Natürlich gibt es weiterhin Länder, in denen feudale Überreste auch des Patriarchats bestehen, wie das Kastenwesen.

Eine neue Erscheinung ist die Renaissance des modernen Faschismus. Immer mehr imperialistische und andere Länder wählen ihn als geeignete Herrschaftsform um die Vorherrschaft der eigenen Monopole mit offener Terrorherrschaft durchzusetzen. Eine Quelle des Faschismus ist die Wechselwirkung von Finanzkapital mit feudalen Kräften. Wir erleben das z.B. in Indien wo der Hindufaschismus genutzt wird, die Ausbeutung und Unterdrückung zu rechtfertigen, um Indien zu einem aggressiven neuimperialistischen Land auszubauen. Im Zuge dessen gewinnt also auch der Kampf gegen überkommene patriarchale Frauenunterdrückung wieder an Bedeutung. Wir dürfen aber nie vergessen, dass er seine Quelle in den Herrschaftsformen des Kapitalismus und Imperialismus hat und nicht wie kleinbürgerlich-feministische Theorien vertreten, in der Denkweise oder gar den Genen des Mannes begründet ist!

Diese neuen Herausforderungen brauchen uns Frauen vereint in der weltweiten antifaschistischen Einheitsfront. Arbeiter- und Frauenbewegung gehören zusammen, statt uns vom Antikommunismus spalten zu lassen. Die Weltfrauenkonferenz ist mit ihrer Zusammensetzung von Religion bis Revolution ein Vorbild im gemeinsamen Kampf gegen den Imperialismus.

1Parteiprogramm MLPD, S. 61

2MLPD Parteiprogramm S. 61/62